• Empfehlungen zu Schadenssicherungsmaßnahmen nach Großbrand in Reichenbach

    Schadenssicherungsmaßnahmen nach Großbrand in Galvanikfirma bei Reichenbach am 26.06.2019

    Seit dem Mittag des 28.06.2019 12:43 Uhr berichtet nun auch der ö.-r. Sender des MDR über Warnungen des Vogtlandkreises an die Anwohner.

    Gewarnt werden die Anwohner der umliegenden Grundstücke des Feuerherdes vor dem direkten und indirektem Kontakt mit allen Materialien, die mit der Rauchwolke oder sonstigen Emissionen (Säureausflüssen, Löschwasser etc.) in Berührung gekommen sein könnten.

    Dementsprechend wird vor der Ernte und Verzehr von Gartenfrüchten, Kräutern oder sonstigen Produkten gewarnt. Auch Futterpflanzen sollen weder geerntet noch verfüttert werden; Tiere, Vieh oder sonstige Nutztiere sollen von der Weidehaltung ferngehalten werden.

    Auch von der Weidehaltung von Nutztieren im Freien wird abgeraten; die Bienenstandorte im Bereich der Rauchwolke sollen dem Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt gemeldet werden.

    Dieser Warnung sollte Jedermann Beachtung schenken.

    Dies gilt schon deshalb, weil bei jedem Schaden der Geschädigte zur Schadensminderung verpflichtet ist.

    Wer aber trägt die materiellen und wirtschaftlichen Schäden?

    Grundsätzlich orientiert sich das deutsche Schadensersatzrecht orientiert sich am Verursacherprinzip.

    Der Eigentümer/Besitzer eines Grundstücks hat dafür Sorge zu tragen, dass keine Störung der Nachbargrundstücke stattfindet. Hierzu gibt es gesetzliche Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche, die zum Teil auch ohne Verschulden eingreifen.

    Das eigentliche Problem bei der Geltendmachung von Schadensersatz bei einer Giftwolke oder sonstigen Emissionen von Schadstoffen ist der Nachweis des Leidtragenden, dass sein konkreter Schaden gerade durch diese verursacht wurde.

    Die Abwicklung der sogenannten Sevesoschäden aus einem Chemiefabrikbrand, der sich im Juli 1976 in der norditalienischen Stadt Seveso ereignete, dauerte auch deshalb viele Jahre, weil die Zurechnung der Ursächlichkeiten schwierig war.

    Daher sind folgende Hinweise veranlasst:

    Betreiben Sie unverzügliche, aktive Beweissicherung (möglichst vor einem Regenfall, der die Ergebnisse verwässern könnte) bspw. durch Maßnahmen, von denen wir auf einige freizeichnend und ohne Vollständigkeit wie folgt hinweisen:

    Erstellen von Fotos mit Registratur von Ort und Datum der Aufnahmen,

    vorsichtiges Einsammeln (mindestens Gummihandschuhe) von Materialproben wie etwa Gräsern, Erdreich, Sand, Futtermitteln etc. ,

    Beobachten des Gesundheitszustandes der Menschen und Tiere, die sich zur Zeit des Brandes im Freien aufhielten,

    Bei Brunnenwasser: Wasserproben.

    Nehmen Sie die Beweissicherung in der Gegenwart von Zeugen vor und protokollieren Sie die Maßnahmen ihrer Beweissicherung peinlich genau. Das Datum ist wichtig, um den zeitlichen Zusammenhang mit dem Schadensereignis nachweisen zu können.

    Auch Folgeschäden sind auszugleichen, wenn diese etwa dadurch entstanden sind, dass ein Betrieb seine gewerbliche Tätigkeit nicht mehr in der Form ausüben kann, wie er dies ohne Verseuchungen zu tun pflegte oder in der Tätigkeit beeinträchtigt ist, weil er auf Ressourcen wie etwa Brunnenwasser oder genutzte Freiflächen nicht zurückgreifen kann, weil deren Reinheit oder sonstige Qualität durch die Folgen des Feuers beeinträchtigt wurden.

    (Bsp:. Nicht mehr nutzbare Weideflächen, Gartenflächen, Spielwiesen, Betriebsausfallschaden eines Friseurgeschäfts, welches nicht auf interne Wasserquellen zurückgreifen kann)

    Unternehmensinhaber sollten überlegen, ob sie nicht eine sogenannte Betriebsunterbrechungsversicherung haben. In diesem Falle gilt es, diesen Schaden dem Versicherungsunternehmen zu melden.

    Insbesondere wenn Sie rechtschutzversichert sind, lassen Sie sich von rechtlich beraten; wenn dies nicht der Fall ist, kommt eine Erstberatung infrage, deren Kosten Sie bei einer Kontaktaufnahme mit vereinbaren können.

    Wir arbeiten mit lokalen Fachleuten der Umwelt-, Wasser und Agraranalytik zusammen, über die wir lokale Analysen, eventuell auch für typisierte Gruppen erstellen lassen können.

    Denken Sie daran, dass Umweltschäden manchmal erst nach vielen Jahren in ihrer wahren Dimension erkannt werden. Hier ist rechtzeitiges Eingreifen ratsam, um das Drohen einer Verjährung zu unterbrechen.

    Große Firmen verfügen regelmäßig über solide Haftpflichtversicherungen. Damit sollte der Schadensersatz auch wirtschaftlich durchsetzbar sein.